„Destinatus – der göttliche Plan“: Origin story
EIN VERREGNETER NOVEMBERNACHMITTAG IN WIEN. Alles wirkt heute grau und zu allem Überfluss hast du deinen Schirm vergessen. Kühler Wind bringt dich dazu, deine Jacke etwas fester zu schließen, aber du warst nicht schnell genug und ein kalter Tropfen, der von deinen nassen Haaren in dein Genick fällt, lässt dich kurz erschauen. Hoffentlich verkühlst du dich nicht. Du hörst ein Rauschen – die Straßenbahn! Bitte nicht, die nächste kommt erst in zehn Minuten. Bis dahin hast du dir den Tod geholt.

Pr?fend schaust du dich um, sie ist noch eine Station vor deiner, aber das rote Blitzen und das charakteristische „Bim-Bim“, dem die Bahn in Wien den gleichlautenden Spitznamen verdankt zeigen an, dass du nicht mehr viel Zeit hast. Lohnt es sich, zu laufen? Nein, du bist zu weit weg, um sie zu erwischen – oder doch? Rumpelt kommt die Straßenbahn näher – fordert dich zu einem Wettrennen heraus! Und du nimmst an. Ein kurzer Sprint – Ha! Wär doch gelacht, wenn du das nicht schaffst. Wenn doch nur die verdammten Autos nicht wären, so kannst du doch nie über die Straße. Muss aber sein!
Du wartest einen passenden Moment ab, dann schlängelst du dich in einem waghalsigen Slalom durch die heranfahrenden Autos, deren Fahrer nicht einmal daran denken, anzuhalten…. Naja, eigentlich wäre vorn ein Zebrastreifen. Aber wenn du dorthin gelaufen wärst, hättest du deinen Wettlauf garantiert verloren. Geschafft, ein lautes Hupen ertönt neben dir, aber du bist drüben. Leises Quietschen hinter dir und das Rauschen der Bahn auf den Gleisen. Sie holt auf, doch es fehlt nicht mehr viel. Immer wieder schaust du zwischen der Stationsplattform und deinem Verfolger hin und her. Das wird knapp, aber du liegst vorn.
Auf einmal spürst du, wie deine Zehen auf etwas Hartes stoßen, sich verheddern, und du fällst. Kann das sein? Du bist seit deiner Kindheit nicht mehr hingefallen. Nein, nein, du kannst das noch abfangen… da ist doch ein Geländer, wenn du das zu fassen bekommst. Panisch greifst du nach dem glatten Metall. Es ist kalt und nass… zu nass, du rutscht ab und verdutzt fällst du der länge nach auf den Boden – dabei landet dein Kopf gefährlich nah an den Gleisen. Du hörst noch das entsetzte Schreien einiger Wartender, doch du kommst nicht rechtzeitig hoch und sie schaffen es nicht zeitgerecht zu dir.
Mit lautem Quietschen versucht der Fahrer das auf dich zustürmende Ungetüm abzubremsen, kleine Kieselsteine klackern überall um dich herum. Du schließt die Augen – ein peinlicher Tod irgendwie. Fast wie am Beginn von Gabriel Garcia Marquez’s Liebe in Zeiten der Cholera.

Auf einmal berührt jemand sanft deinen Arm – ein Engel?
„Heast, Oida, bist du noch zu retten? Bist du deppat? Wonnst beschließt, di zwa Meta tiafa z’bringan, donn ned in meina Schicht!“ Verdutzt schaust du in ein genervtes Männergesicht, die graue Uniformjacke hat einen Ketchup-Fleck.
„Bin ich tot?“, fragst du, während du versuchst, dich zu orientieren.
„Na, Oida, no ned. Owa, wonnst no a rand’l liegn bleibst, garantier ich für nix!“, mit etwas übertriebenem Stöhnen zieht der Straßenbahnfahrer dich auf die Beine und – peinlich berührt – kletterst du unter erstaunten Blicken in die Bahn.
Genau so wars… wirklich, ich schwör es! Hand aufs Herz… Du glaubst mir nicht? Na gut, ich gebe zu, ich habe etwas künstlerische Freiheit an den Tag gelegt – soll ja spannend sein! Meine Origin Story – zu Deutsch: „Wie alles begann“ konkurriert schließlich mit zigtausenden anderen Geschichten, da muss man schon ein bisschen Action einbauen, sonst langweilst du dich vielleicht.
Heute nehme ich dich auf eine ganz besondere Reise. Zumindest ist sie für mich besonders, denn es geht um den Anfang meines Lebens als Autorin – die Idee zu meinem allerersten Roman, der schlussendlich am 07. Juli 2023 das Licht der Welt erblicken sollte: Destinatus – Der göttliche Plan.
Schlussendlich wurde es ein Genremix – Noirkrimi, Wienkrimi und Urbanfantasy trifft auf Action- und ein wenig Politthriller. Wie, du dachtest, weil es um Schutzengel geht, ist das ein religiöses Buch? Klingt gar nicht so heilig? Ist es auch nicht. Aber am Besten beginnen wir am Anfang: Es war einmal…
Wie jetzt? Du willst das nicht alles lesen? Du suchst eigentlich nach etwas ganz Bestimmtem? Na gut, gut… dann kannst du hier springen:

Die Geburt einer Idee: Schutzengel und Stolperfallen
…eine junge Frau, nennen wir sie Sheba, die eilte an einem wunderschönen, sonnigen Tag der Straßenbahn an der Station Glatzgasse im 19. Wiener Gemeindebezirk nach. Und prompt stolperte sie über eine Erhebung auf dem Weg. Sie schaffte es, nicht hinzufallen, doch sofort fragte sie sich, wie ihr Schutzengel wohl auf ihre Tollpatschigkeit reagiert und sie kam zu dem Schluss, dass er es mit ihr nun wahrlich nicht einfach hatte…
Das war nun die wirklich wahre Geschichte, über die erste Idee zu meinem Roman Destinatus – Der göttliche Plan. Du siehst also, so weit weg war der Einstieg gar nicht! Oder doch? Du meinst, ich hab da schon sehr übertrieben? Also… ich kann nur sagen, es war im Sinne der Geschichte, finde ich.

Auf jeden Fall wollte mich dieser Gedanke nicht loslassen und ich schrieb die erste Szene meines Buchs. Es war die Einführung der Hauptfigur – Jequn – und obwohl ich ursprünglich eine Geschichte über einen Schutzengel geplant hatte, der seinen Job satt hat, wollte Jequn in eine andere Richtung. Es war von Anfang an klar, dass er ein Noir-Charakter war: tough, abgebrüht und kühl – aber mit einem unbändigen Sinn für Gerechtigkeit, der ihn immer wieder an Gottes Plan zweifeln lässt. Und ich ließ ihn seine Geschichte erzählen.
Daraus entwickelte sich übrigens eine Praxis – oder eher ein Grundsatz, den ich seit damals beibehalten habe: Wenn ich eine Idee zu einem Roman habe, warte ich, bis sich mein*e Protagonist*in meldet und wer sonst noch gerne in die Geschichte möchte und dann lasse ich sie gewähren. Auch, wenn mein Plan ein anderer war – sollte jemand ein Veto einlegen, dann akzeptiere ich das. Das hat mich übrigens sowohl bei Resurrectus – Die Auferstehung des Nichts (Band 2 des Destinatus-Universums) als auch bei Rhapsodie der Schatten, öfter mal überrascht, aber auch in die Bredouille gebracht! Schlussendlich macht es meine Geschichten aber lebendiger, glaubwürdiger, interessanter, amüsanter, spannender – also rundum einfach besser, als alles, was ich mir ohne die Hilfe meiner Figuren ausdenken könnte.

Wien als Schauplatz: ein Stück Heimat
Als gebürtige Wienerin kenne ich die Stadt in- und auswendig. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich im Zentrum Wiens, und viele der Handlungsorte in „Destinatus“ spiegeln meine eigenen Erfahrungen wider. Die überfüllten Gassen und Straßen der Innenstadt, die vorweihnachtliche Stimmung aber auch, wie man sich dabei fühlt, durch die Straßen meiner Heimatstadt zu gehen… alles davon sind Eindrücke, die ich selbst lange gesammelt habe.
Das Naturhistorische Museum Wien
Schon der Prolog spielt im Naturhistorischen Museum. Hier durfte ich schon als Kindergruppenkind viel Zeit verbringen und habe dabei meine Leidenschaft für Museen, Geschichte und schlussendlich die Archäologie und Altphilologie entdeckt, die mich mein halbes Leben lang stark geprägt hat.
Meine Erfahrungen in Museumssammlungen in vielen Teilen der Welt sind stark in das Buch eingeflossen. Der charakteristische Geruch, die Stille und das Gefühl der Isolation, wenn man alleine zwischen den Exponaten arbeitet, sind in den Beschreibungen der Szenen spürbar.

Alte Bekannte und neue Freunde
„Orte sind wie eine weitere Figur deiner Geschichten.“, sagte der unglaublich gute Autor Dan Brown einmal in einer seiner Schriftstellerklassen. Und damit hat er nicht nur recht, er hat meinen Schreibstil auch maßgeblich beeinflusst. Denn so begab – und begebe – ich mich für jedes Buch auf die Suche nach spannenden, neuen und beeindruckenden Orten für meine Szenen.
Dabei soll sich, wenn möglich, Bekanntes mit Neuem die Bühne teilen. In jedem Fall sind die Handlungsorte in meinen Büchern nicht nur Kulisse. Sie vollenden die Szene, verändern sie, definieren sie und werden nicht nur einmal von meinen Figuren „eingesetzt“.
So kommt es, dass die Wiener Keller, die Schemerlbrücke und der jüdische Friedhof am Zentralfriedhof um nur einige der interessanten Orte zu nennen, in meinem Roman eine wichtige Rolle spielen.

(c) Sheba Mehofer-Schilk
Recherchearbeit: Die Grundlage für Spannung und Authentizität

Verschwörungstheorien und geheime Organisationen
Eine glaubwürdige Verschwörung erfordert fundierte Recherche und natürlich ein System, gegen die man sich richten kann. Zu aller erst studierte ich also historische Orden wie die Templer und die Malteser – die ja sehr gerne auch für moderne Verschwörungstheorien genutzt werden.
Die Organisation der Schutzengel baut sich allerdings nicht nur aus menschlichen Ordensstrukturen auf sondern beruht zeitgleich auch auf der tatsächlichen Schilderung der die Hierarchie der Engel – den Neun Chören – auf, die ich dafür mit den Strukturen der Orden zu etwas neuem verbunden habe.

Warum diese komischen Namen?
Das hast du doch mit Absicht gemacht, oder?
Jain – lass mich gerklären:
Ja. Ich wollte authentische Namen für die Engel in meinem Buch. Schließlich bekommt jeder Engel bei seinem Eintritt in die Organisation einen Engelsnamen zugeteilt (der übrigens mit dem gleichen Anfangsbuchstaben beginnt, wie sein ursprünglicher, weltlicher Name). Also studierte ich die Namenslisten und habe für jede Figur etwas ausgesucht, das zur Rolle oder dem Charakter passt.
Nein. Ich habe keinen Einfluss auf die -iel-Endung. Das bedeutet „von Gott/ Gottes“ und ist bei den meisten Namen schon inkludiert. Die bekannten Engelsnamen sind aber schon besetzt, denn Gabriel, Raphael, Michael und Co sind einfach schon besetzt – diese Engel hatten anderwärtig zu tun. Also musste was anderes her. Mir war bewusst, dass diese Namen alle sehr kompliziert und ähnlich sind, deshalb hab ich versucht, wenigstens andere Anfangsbuchstaben zu haben. So kann man sich zumindest irgendwie im Engels-Dschungel zurechtfinden.

Wien der 1930er Jahre
Jequn ist zum Zeitpunkt seines Eintritts in die Organisation ungefähr vierzig Jahre alt und ein moderner Mann aus der Zeit des Börsencrashs Anfang der 1930er Jahre. Der erste Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit haben ihn sehr geprägt, auch wenn er der heutigen Zeit generell nicht negativ gegenübersteht, kann er doch vieles davon nicht wirklich lieb gewinnen. Um ihn richtig kennenzulernen musste ich mich also genauer mit der Zeit seines Lebens, dem Crash und den Schicksalen der Betroffenen auseinandersetzen.
Und wer kennt das nicht? Wenn wir alles verlieren, versuchen wir uns an etwas festzuklammern, dass uns zu dem macht, wer wir sind. In Jequns Fall ist das, neben seiner Uhr, ein bestimmter Herrenduft, der nach Cassis duftet. Dazu habe ich mich natürlich eingehend mit den Herrendüften, der Mode und den Frisuren dieser Epoche beschäftigt. Auch Jequns Frau, an die er sich häufig erinnert, geht mit der damaligen Mode – sie trägt durchaus Hosen und schnitt sich auch die Haare, als das modern wurde.
Persönliche Erlebnisse: mein besonderes Recherche-Highlight
Die unterirdischen Keller Wiens faszinierten mich besonders. Das unterirdische Schwimmbad, das in meinem Buch vorkommt, basiert übrigens auf dem Beatrixbad, das 1890 erbaut und 2010 wiederentdeckt wurde.

Ein besonderes Highlight meiner Recherche waren zwei Führungen durch die tiefen Wiener Keller. Die düstere, geheimnisvolle Atmosphäre und die Geschichte dieser Orte flossen direkt in die Handlung ein. Die Geräusche, das Dunkel, der Staub in diesem unterirdischen Labyrinth waren einfach unglaublich!
Mach in dieser Galerie einen kleinen Ausflug in einen Luftschutzkeller in Wien! (Fotos: (c) Sheba Mehofer-Schilk)

Der Weg zum fertigen Manuskript
Die Reise von der Idee zum fertigen Manuskript war aufregend und herausfordernd aber jeden Moment wert! Es war mein erster Schritt in ein neues Leben als Autorin, und heute kann ich mir nicht vorstellen, nicht zu schreiben!
Dank meines Schreibcoachs Rainer Wekwerth fand ich den richtigen Fahrplan, auch wenn die Charaktere oft ein Eigenleben entwickelten und die Handlung in unerwartete Richtungen führten und natürlich gaben mein Lektor und meine Korrektorin der Sache den letzten Schliff.
Die meisten Kapitel entstanden übrigens auf Zugfahrten nach Wien, wo ich die Ruhe und Inspiration fand, um die Geschichte voranzutreiben oder in der Nacht!
Ich hoffe, dieser Blick hinter die Kulissen von Destinatus – Der göttliche Plan hat die eine oder andere Frage beantworten können, die während des Lesens aufgekommen ist!
Du hast das Buch noch nicht gelesen? Dann los! Wenn du Wien aus einer neuen, mystischen Perspektive erleben und in eine Welt voller Engel, Geheimnisse und unerwarteter Wendungen eintauchen m?chtet, dann ist mein Buch genau das Richtige f?r dich! Mittlerweile ist ja auch schon Band 2 dieser Dilogie: Resurrectus – Die Auferstehung des Nichts erschienen, du kannst also die gesamte Story auf einmal lesen.
Und falls du danach nach neuem Lesestoff gierst, dann lad dir gerne die gratis Kurzgeschichte hinunter, die du als Dankesch?n f?r einen Newslettereintrag bekommst. Dabei gewinnst du gleich doppelt, denn du bleibst bei meinen Buchprojekten auf dem Laufenden, bekommst automatisch neue Geschichten, wenn das Dankesch?n gewechselt wird!
Kennst du schon mein neuestes Buch Rhapsodie der Schatten? Nein? Dann schau es dir doch hier genauer an! Dabei mische ich die Sage von Orpheus und Eurydike, karibische Folklore und Hitchcock zu einem mystischen Urbanfantasy-Thriller im Waldviertel im Suspense-Stil von Alfred Hitchcock. Klingt wild? Ist es auch! Ich bin sicher, du wirst es lieben!










