Tod und Teufel in der Karibik: Die düsteren Mythen von Braa Death und Papa Diable
ES IST EIN STRAHLEND SCHÖNER TAG UND DU BESCHLIESST EINE WANDERUNG ZU MACHEN. Nachdem du deinen Rucksack gepackt hast, machst du dich auf und schon bald betrittst du einen schmalen Pfad. Froh darüber, dass du der stechend heißen Sonne entkommen bist, machst du kurz Pause, setzt dich auf einen Felsen und stärkst dich mit deiner Jause. Danach gehst du weiter den ansteigenden Weg entlang in die Berge. Nach einigen Stunden kannst du hinter dir schon den Blick auf das glitzernde Meer, den weißen Strand und die bunten Häuser des Ortes werfen.

Weiter oben kommst du zu einem riesigen Baum, dessen Wurzeln wie Kammern aussehen – ein Kapokbaum, oder silk cotton tree, wie ihn die Bewohner der Insel nennen. Sie haben dich ausdrücklich vor diesem Baum gewarnt – er sei der Sitz des teuflischen Parlaments und böser Geister. Trotzdem entschließt du dich, ihn genauer zu inspizieren und als du dich näherst, entdeckst du eine eingeritzte Tür im Stamm. Solltest du sie öffnen?
In den lebhaften Karibik-Inseln schlummern Mythen und Legenden, die so tief wie das türkisfarbene Meer und so geheimnisvoll wie der dichte Regenwald sind. Zwei Figuren stechen besonders hervor: Braa Death und Papa Diable. Diese mysteriösen Gestalten repräsentieren die dunkle Seite des karibischen Volksglaubens und erzählen Geschichten von Tod, Teufel und der Macht der Natur. In diesem Artikel erfährst du mehr zu ihrem Ursprung, was sie unterscheidet und was sie gemeinsam haben und lernst einige der faszinierenden Legenden kennen, die sich um diese Figuren ranken!
Du interessierst dich nur für eine der beiden Figuren? Hier kannst du springen!

Braa Death: Der personifizierte Tod
Braa Death, auch bekannt als „Brother Death“ oder „Braa Deah“, ist eine zentrale Figur in der Karibik, die den Tod personifiziert und symbolisiert. Er ist ein wichtiger Bestandteil der karibischen Folklore und spiegelt die kulturellen Vorstellungen von Leben, Tod und dem Jenseits wider. Braa Death wird oft als unausweichliche und unveränderliche Kraft dargestellt, die den natürlichen Zyklus des Lebens verkörpert. Damit ist er nicht nur der letzte Atemzug, sondern auch ein Symbol für das Ende eines Lebenszyklus und den Beginn eines neuen.
Im Gegensatz zu anderen mythologischen Figuren, die oft mit List und Manipulation verbunden sind, ist Braa Death eine natürlich und unvermeidlich.
Rolle und Symbolik
Braa Death wird als der endgültige Richter über das Leben dargestellt, der in der Lage ist, den Moment des Todes zu bestimmen und die Seelen in das Jenseits zu geleiten. Diese Rolle ist nicht nur eine des Endes, sondern auch eine des Übergangs, da Braa Death die Verbindung zwischen Leben und Tod verkörpert. Er wird manchmal auch als ein freundlicher Begleiter dargestellt, der den Sterbenden Ruhe und Frieden bringt, anstatt Angst und Schrecken.
In einigen Regionen wird Braa Death auch als eine Art „Sammler“ gesehen, der die Seelen von Verstorbenen in die Welt der Ahnen oder ins Jenseits überführt. Er ist damit ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Verständnisses des Lebens nach dem Tod und gleicht dabei stark den christlich-westlichen Darstellungen des klassischen „Sensenmanns„.

Die Legenden von Anansi und Braa Death
Die Sagen um Anansi, die trickreiche Spinne, haben ihren Ursprung in westafrikanischen Legenden und wurden in der karibischen Folklore übernommen. Sie stellen die Verbindung zwischen Göttern, Halbgöttern, Geistern und vielen mehr da. Die Geschichte in der Anansi den Tod trifft gibt es in mehreren Versionen – die eine erzählt davon, wie Braa Death in Anansis Dorf kam, die andere darüber, wieso Spinnen an der Decke hängen.
Wie der Tod in Anansis Dorf kam: eine surinamesische Sage
Es war einmal, noch vor der Zeit, da machte sich die trickreiche Spinne Anansi auf und ging weit fort in den Busch, denn in seinem Ort gab es schon lange nicht mehr genug zu essen. Leider fand er nichts und so wagte er sich immer weiter ins Dickicht, bis in die Gegend, in der der Tod lebte.
Schon bald traf er auf den Tod, doch er erkannte ihn nicht und so sprach er ihn an und erzählte ihm von dem großen Hunger, den er und seine Leute hatten. Er bat ihn um etwas zu Essen, und der Tod willigte ein. Er lud ihn in sein Dorf ein, um für ihn zu kochen.
Anansi aß sich satt und der Tod versprach ihm, dass er sich, wann immer er und die anderen Hunger leiden würden, bei ihm Vorräte holen dürfe. Glücklich bedankte sich die Spinne, doch sie war neugierig, woher er denn das ganze Essen hatte. Der Tod fragte, ob er nicht wüsste, wer er sei und gab sich zu erkennen und so verstand Anansi, warum alles ihm gehörte. Er verabschiedete sich und ging nach Hause.
Dort begrüßte man ihn mit Staunen, denn er hatte so viel Essen mitgebracht, dass die Gemeinschaft lange keinen Hunger mehr leiden musste. Stolz erklärte er den anderen, dass er ab jetzt soviel Essen vom Tod holen könnte, wie sie brauchten. Doch Anansi wurde gierig und gab bei seiner Frau an, er könne den Tod sogar bestehlen und so schlich er sich am nächsten Tag wieder in das Haus. Ohne zu erkennen, dass der Tod ihn beobachtete, nahm sich eine weitere Portion von dessen Vorräten. Als er sich aber davon machen wollte, tauchte dieser vor ihm auf und stellte ihn zur Rede.
Erschrocken ließ Anansi das Essen fallen und statt alles zu erklären oder sich zu entschuldigen, lief er so schnell wie möglich nach Hause. Der Tod aber folgte ihm bis in sein Dorf. Anansi versuchte die anderen Bewohner zu warnen, doch nicht alle konnten sich noch rechtzeitig in ihre Häuser retten. So holte der Tod eine große Zahl von ihnen und lebte von nun an in den Siedlungen – wäre Anansi nicht so gierig gewesen, würde er bis heute ruhig in seinem Dorf verweilen.

Wie oben erwähnt gibt es noch eine weitere Legende, die dieser hier in einigen Zügen ähnelt:
Wieso Spinnen an der Decke hängen
Hier trifft Anansi Braa Death, in Form eines alten Mannes, vor dessen Haus und bittet ihn um ein Glas Wasser. Als dieser nicht antwortet, bedient er sich an dessen Wasser und Vorräten.
Anansi kehrt auch am nächsten Tag zurück, am übernächsten bringt er seine Tochter als Braut für seinen vermeintlichen Gönner mit. Als er sie einige Tage später besuchen möchte, ist sie verschwunden und er stellt zu seinem entsetzen fest, dass der Alte sie gegessen hat. Als er ihn zur Rede stellt, gibt sich der Tod zu erkennen:
„Ich habe dich nicht eingeladen! Du selbst hast entschieden, in mein Haus zu gehen und dich zu bedienen. Und zu allem Überfluss, bringst du mir deine hässliche Tochter. Da habe ich sie gegessen und nun wird dich das gleiche Schicksal ereilen!“
Erschrocken flieht die Spinne, verfolgt von Braa Death nach Hause und ruft seiner Familie zu, sie solle auf die Zimmerdecke klettern. Dorthin kann der Tod ihnen nicht folgen, doch er wartet geduldig darauf, dass ein Familienmitglied nach dem anderen die Kraft verliert und fängt Anansis Frau und Kinder in einem Sack. Als nur noch er selbst fehlt, überlegt die Spinne sich einen Plan.
„Wenn ich hier auf den Boden falle, bleibt von mir nicht mehr viel übrig!“, ruft er Braa Death zu, „Hol doch das Fass mit Mehl von dort drüben – dann falle ich weich und anstatt zu Brei zu werden, bin ich sogar noch paniert.“
Diese Idee gefällt dem Tod, und so macht er sich an die Arbeit. Anansi ist der Hoffnung, dass er lange brauchen würde, das schwere Fass zu holen und ihm und seiner Familie auf diese Art Zeit für die Flucht bleibt, doch da unterschätzt er dessen Kraft. In wenigen Sekunden steht das Fass unter ihm. Als er es allerdings genauer positionieren will, springt Anansi kurzerhand auf dessen Kopf und drückt sein Gesicht in das Mehl, das ihn daraufhin kurz blendet. Und so befreit er seine Familie und gemeinsam flüchten sie vor dem Tod, dem es bis heute nicht gelungen ist, ihn zu fangen.
Wenn ihr also ein Spinnennetz an der Decke seht, dann wisst ihr jetzt – Anansi flieht noch immer vor Braa Death.
Quelle: https://www.anansistories.com/Bro_Death.html

Papa Diable: Der Teufel der Karibik
Papa Diable (auch Papa Devil oder Bazil genannt) ist die karibische Inkarnation des Teufels aber auch des Todes. Er ist eine komplexe und facettenreiche Figur, die in verschiedenen karibischen Kulturen unterschiedliche Formen und Eigenschaften annehmen kann.
Papa Diable wird oft als mächtiger und charismatischer Teufel dargestellt, dessen Hauptaufgabe es ist, Unruhe und Verführung zu stiften. Während die christliche Vorstellung des Teufels häufig als reine, bösartige Entität erscheint, hebt die karibische Mythologie eher seine trickreiche und manipulative Seite hervor, die sowohl faszinierend als auch gefährlich ist. Er erinnert damit stark an die zahlreichen Sagen aus Wien und anderen Österreichischen Bundesländern, in denen der Teufel sich auch durchaus auf die eine oder andere Wette einlässt.
Ursprung und Darstellung
Papa Diable hat seine Wurzeln in der Mischung von westafrikanischen und europäischen Teufelsvorstellungen, die durch die koloniale Geschichte in die Karibik gelangten. In der karibischen Kultur wird er oft als schwarzer Mann oder als dämonische Figur beschrieben und ist bekannt dafür, in die menschlichen Angelegenheiten einzugreifen und Menschen durch seine Verführungskünste in Versuchung zu führen.
Seine Darstellung kann variieren, aber häufig wird er mit auffälligen Merkmalen wie leuchtenden Augen oder einer imposanten Statur beschrieben. Er kann auch als eleganter, gut gekleideter Mann erscheinen, der mit seinem Charme und seiner List die Menschen umgarnt. In dieser Form ähnelt er dem Herren der Unterwelt im Voodoo, Baron Samedí, und anderen ähnlichen Geistwesen (Loas).

Als Papa Le Bois den Teufel besiegte: eine Sage, aus Trinidad & Tobago
Vor langer Zeit lebte ein alter Zimmermann in einem kleinen Dorf, den alle liebevoll Papa Le Bois – nach dem Geist der Wälder – nannten. Damals ging der Tod in Form von Papa Diable, dem Teufel persönlich, in seinem Heimatort um. Willkürlich und kalt wählte er diejenigen aus, die sterben sollten.
Doch Papa Le Bois beschloss, diesen Dämon zu besiegen und ewig zu leben. „Es muss doch eine Möglichkeit geben, Bazil ein Ende zu setzen!“, dachte er und so schmiedete er einen gewitzten Plan. Fröhlich griff er am nächsten Morgen zu seinem Werkzeugkasten und machte sich auf in den Wald zu einem alten, riesigen Kapokbaum. Dort ritzte er, an einer flachen Stelle eine Tür in die Rinde, setzte seinen Meißel an und arbeitete sich in den Stamm. Im Inneren formte er einen großen Raum. Er arbeitete bis es dunkel wurde, dann ging er nach Hause.
Früh am nächsten Morgen kehrte er zurück und setzte seine Arbeit fort, indem er ein Loch in die Decke des Raums schnitzte. Von hier aus formte er ein weiteres Zimmer über dem ersten. An jedem folgenden Tag meißelte er einen weiteren Raum und nach sieben Tagen hatte er sieben Zimmer fertig. Zum Schluss fügte jedem Raum eine Tür mit Schloss hinzu. Zufrieden ging er zu seinem Haus und wartete darauf, seinen Plan in die Tat umsetzen zu können.
Nach einigen Monaten klopfte der Tod nun auch an Papa Le Bois Tür und verlangte seine Seele und der alte Zimmermann willigte ein, doch er hatte einen Wunsch:
„Herr, Teufel, in meinem Leben als Zimmermann habe ich ein Meisterwerk geschaffen: Ein Haus in einem Waldbaum. Bitte, bevor Ihr mir meine Seele für immer nehmt, erfällt mir einen letzten Wunsch – kommt mit und seht euch mein Schloss an.“
Der Teufel willigte ein und Papa Le Bois führte ihn zu der Tür des Kapok-Baum-Schlosses. Stolz deutete er auf den Eingang und sagte:
„Herr, Teufel, siehst du die Tür? Sie führt zu sieben Stockwerken, von denen das letzte eine geheimen Kammer ist. Sie birgt das Geheimnis des Kapok-Baum-Schlosses. Niemanden außer mir, dessen Erbauer, ist es erlaubt, diesen Raum zu betreten!“
Der Teufel war sichtlich beeindruckt. Er war neugierig und wollte das Schloss unbedingt besichtigen. Geschäftig schloss der Zimmermann eine Tür nach der andern auf und öffnete sie. Nur im sechsten Stock weigerte er sich, Bazil Zutritt zu gewähren.
„Mach sofort die Tür auf, bevor ich dir aus Wut gleich hier und jetzt die Seele nehme! Vergiss nicht, wer ich bin – Bazil, der Besucher des Todes! Komm sofort und mach die Tür auf“, forderte der Teufel wütend und ergeben öffnete Papa Le Bois das letzte Schloss.
Sofort stürzte der Teufel in die geheime Kammer und Papa Le Bois schlug so rasch wie möglich die Tür zu und sperrte ihn ein. Am Weg nach unten schloss er jede Tür ab und eilte nach Hause und sieben Jahre lang gab es keine Toten in seinem Ort – ja in der ganzen Gegend nicht mehr.
Doch Papa Gott konnte dieses Ungleichgewicht nicht bestehen lassen, denn es führte zu Überbevölkerung und so schickte er einen Boten, der an der Kreuzung vor dem Ort einen Rum-Stand eröffnen sollte. Schon bald kamen Papa Le Bois und viele seiner Freunde zu dem Stand und tranken. Fröhlich prahlte er dabei damit, den Teufel im Kapok-Baum eingeschlossen zu haben. Sofort drängte der Bote – als Ladenbesitzer getarnt – den Zimmermann, sie alle zu diesem Schloss zu führen, denn diese Geschichte klang einfach unglaublich.
Papa Le Bois wollte die Wahrheit beweisen und führte die betrunken wankende Gruppe stolz zu dem Baum-Schloss im Wald. Stockwerk für Stockwerk stiegen sie durch die dunklen Kammern hinauf – bis zur siebten Tür.

Doch sobald er das Schloss öffnete, griff der wütende Teufel mit seinen langen, knorrigen Fingern nach dem zitternden Papa Le Bois, und nahm ihn in die Mangel, während die anderen Männer erschrocken die Flucht ergriffen. Der geheimnisvolle Bote allerdings verschwand wieder und bis heute sagt man, dass der Kapokbaum der Sitz des Teufels und seines Parlaments ist.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Während Braa Death und Papa Diable unterschiedliche Aspekte des Todes und des Bösen repräsentieren, gibt es faszinierende Parallelen in ihren Geschichten. Beide Figuren sind personifizierte Mächte, die in die menschliche Welt eingreifen und diese beeinflussen.
Braa Death verkörpert das unvermeidliche Ende und die damit verbundene Endgültigkeit, während Papa Diable die Kraft des Verführers und Störers repräsentiert. Beide zeigen jedoch die untrennbare Verbindung zwischen Mensch und übernatürlicher Welt, die in der karibischen Folklore so zentral ist.
Die Figuren von Braa Death und Papa Diable bieten einen tiefen Einblick in die karibische Mythologie und deren faszinierende Erzähltraditionen. Durch ihre Geschichten und Legenden lernen wir nicht nur etwas über den Glauben der Menschen an Tod und Teufel, sondern auch über ihre Werte und ihre Art, das Unbekannte zu verstehen.
Der Tod spielt auch in meinem neuen Buch Rhapsodie der Schatten eine entscheidende Rolle. Es lässt diese faszinierenden Legenden in einer modernen Erzählung lebendig werden! Eine zweite Auflage des Taschenbuchs ist schon geplant – und du kannst dich unverbindlich von mir erinnern lassen.
Wenn du nicht genug von Karibischen Wesen bekommst, abonniere meinen Newsletter für regelmäßige Updates zu meinen Büchern und interessanten Themen. Als Dankeschön bekommst du exklusiv vorab die erste Kurzgeschichte meines nächsten Buchs „Chroniken des Unbekannten: Finstere Gassen & Dunkle Wälder“, in der ein Schattenkrieger den Kampf gegen ein tödliches Geistwesen im Wiener Stadtpark antritt.

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