Rhapsodie der Schatten (Official Booktrailer)

Eine Mutter. Ein verlorenes Kind. Ein gefährlicher Pakt.

Begib dich auf eine nervenaufreibende Reise durch die Schattenwelt voller Prüfungen, Geheimnisse und düsterer Intrigen.

Auf der Longlist des
1. Österreichischen Phantastikpreises

Jetzt auch in limitierter Schmuckauflage vorbestellbar!

Ein Stalker, der im Dunkeln lauert. Ein Kind, das in die Dunkelheit gezogen wurde. Ein Lied, das über Leben und Tod entscheidet. Was würdest du tun, um deine Familie zu schützen?

Mach dich bereit für eine Reise in eine düstere Welt voller Spannung, Geheimnisse und Urban Fantasy – wo die Grenzen zwischen Leben und Tod verschwimmen und jede Entscheidung zählt.

Die Blackmusic-Sängerin Oriana hat sich nach einem erschreckenden Stalker-Vorfall in die Abgeschiedenheit einer alten Mühle im Waldviertel zurückgezogen. Doch statt Frieden erwarten sie dort rätselhafte Träume, seltsame Geräusche und eine bedrohliche Atmosphäre, die ihre Realität Stück für Stück zerschneidet.

Als ihr Sohn spurlos verschwindet, wird ihre Welt endgültig auf den Kopf gestellt. Oriana ist überzeugt, dass er von Duppies – Geistern aus karibischer Folklore – in das Reich der Toten entführt wurde. Verzweifelt wendet sie sich an die mysteriöse Mama B., die sie auf eine gefährliche Reise schickt: durch die neun Tore der Unterwelt.

Dort erwarten Oriana nicht nur verloren geglaubte Seelen und tödliche Prüfungen, sondern auch Wahrheiten, die sie an den Rand des Unvorstellbaren bringen.

Hitchcock-Suspense trifft auf karibische Geister und eine völlig neue Interpretation von Orpheus und Eurydike!

In Rhapsodie der Schatten verschmelzen Mystery, Psychothriller und Urban Fantasy zu einer fesselnden Erzählung, die sich um Mutterschaft, Opferbereitschaft und die Stärke einer Frau dreht, die alles riskiert, um ihr Kind zu retten.

Mit einer vielfältigen Mischung aus Charakteren – von Oriana, einer starken schwarzen Protagonistin, bis hin zum genderfluiden Voodoo-Geist Ghede Nibo – bietet diese Geschichte eine erfrischende Perspektive und unerwartete Wendungen.

Wird Oriana ihren Sohn retten und die Wahrheit hinter den dunklen Machenschaften ihres Stalkers aufdecken können?


Leseprobe

Kapitel Eins

Niemals rufe draußen dein Kind
mit dem eigenen Namen.
Sie werden ihn lernen.
Sie werden ihn nutzen.
Sie werden es dir wegnehmen.


Das Öffnen ihrer Augen, brachte für Oriana nur kurz Erleichterung. In der undurchdringbar wirkenden Dunkelheit verfolgte der kalte Blick sie immer noch. Kein Geräusch außer ihrem eigenen, viel zu schnellen Herzschlag unterbrach die Worte, die er ihr immer wieder ins Ohr zu flüstern schien.
»Du weißt, er wird ihn holen. Er ist ihm versprochen worden, er ist sein.«
Niemals!, schrie sie ihn in Gedanken an, doch ihr Protest verhallte.
Oriana fühlte das Gewicht von Tausenden Tonnen auf ihrer Brust, als sie versuchte, sich zu bewegen. Wer oder viel leicht auch was saß nur auf ihr? Heißer Atem an ihrem Hals und Nacken ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen. Ein Duppy?
»Oriana! Er ist mächtig, du hast keine Chance. Er holt sich, was sein ist.«
Voller Angst versuchte sie wieder und wieder, auch nur eine Zehe zu bewegen. Ihr Körper wollte nicht auf ihre Befehle reagieren. Panik stieg in ihr auf.
War sie tot? Nein – da ein kleines Zucken ihrer Finger. Noch eines. Mit einem Ruck setzte Oriana sich auf und als sie diesmal die Augen aufschlug, konnte sie die Umrisse des Schlafzimmers erkennen. Noch etwas orientierungslos wandte sie sich nach rechts und berührte mit den nackten
Füßen den rauen, kühlen Sisalteppich vor ihrem Bett. Sie wartete darauf, dass sich ihr Atem und damit ihr Geist beruhigten. Noch schwappten Gedanken, Erinnerungen und Ängste durch ihren Kopf wie Wellen auf einem vom Sturm gepeitschten Meer.
Sie schloss die Augen und ließ sanft ihre Finger über die warme Leinenbettwäsche gleiten. Langsam hatte sie das Gefühl, wieder Kontrolle über sich zu bekommen. Thomas’ leises Schnarchen drang durch den dunklen Raum.
Vorsichtig stand sie auf und schlich barfuß und nur in ihrem Nachthemd aus dem Zimmer. In einer automatisierten Bewegung wand sie ihre langen, dünnen Dreadlocks zu einem kunstvollen schweren Knoten. Einige Strähnen wehrten sich dabei erfolgreich und fielen wieder auf ihre
schmalen Schultern.
Geräuschlos schloss sie die Tür und ging hinunter ins Wohnzimmer. Dort öffnete sie das Fenster und sofort umfing sie kühle Nacht. Oriana sog gierig die frische Luft ein und genoss das Gefühl, das der leichte Wind auf ihrer verschwitzten Haut hinterließ. Der Herbst war nicht mehr weit, das konnte man fühlen. Sie lauschte dem Rauschen des Waldes und des nahen Kamps, der im Vollmondlicht seine glitzernde Spur durch die Landschaft zog. Sie lächelte.
So verharrte sie, bis die fiebrige Hitze in ihrem Kopf verschwunden war, dann machte sie sich auf den Weg zurück ins Schlafzimmer. Dabei kam sie an Elians Tür vorbei, der mit ihrem Umzug von Wien ins Waldviertel darauf bestanden hatte, von nun an allein zu schlafen. Das
Ende einer Ära.
Ohne groß darüber nachzudenken, machte sie einen Schritt auf die türkis gestrichene Holztür zu, öffnete sie leise und schlich zu seinem Bett. Beleuchtet nur von einem kleinen Nachtlicht in Form eines runden, schwarz-weißen Schafes, versank ihr Sohn in seiner dunkelblauen Raumfahrerbettwäsche. Sie betrachtete sein ebenmäßiges Gesicht, seine dunkelblonden, wilden Locken, die so gar nicht mit den langen dunklen Wimpern um die großen Augen zusammenpassen wollten. Er seufzte und drehte sich. Am Bettende hatte Toby es sich gemütlich gemacht.
Sein muskulöser, hellgrau glänzender Hundekörper wirkte mindestens dreimal so groß wie der ihres Sohnes. Er hob den breiten Kopf, blinzelte sie aus verschlafenen blauen Knopfaugen an, gähnte und zeigte ihr seine großen, strahlend weißen Zähne. Gleich darauf ließ er sich wieder fallen und schlief weiter.
Wenn sie das doch auch nur so schnell könnte wie er. Oriana setzte sich an die Bettkante und richtete sanft Elians verrutschten Pyjama. Sie wusste, dass sie ihren Sohn mit allen Mitteln verteidigen würde, komme, was da wolle. Kurz spürte sie ihre alte Entschlossenheit in ihrem Bauch aufleben, als sie an den Traum dachte, der sie mittlerweile schon zu oft für ihren Geschmack den Schlaf kostete.
Sie lüftete die Decke, schlüpfte darunter und kuschelte sich an den warmen, kleinen Kinderkörper. Elian lächelte, rutschte näher und legte sofort einen Arm auf ihren Bauch. Sie ließ ihre Finger gedankenverloren durch seine Locken gleiten.
Leise begann sie, das Lied zu singen, das ihn schon seit nunmehr viereinhalb Jahren beruhigte. Obwohl er schlief,
stimmte Elian leise murmelnd in den Text mit ein und diesmal vertrieb der Gesang nicht seine bösen Geister,
sondern ihre eigenen.